TM TextilMitteilungen Colombo3_02
TM TextilMitteilungen Colombo3_02

INTERVIEW MIT K.B. INDRANI

„WIE EINE IDEE ZUR LEBENSAUFGABE WURDE“

Kannst du dich bitte kurz vorstellen? 

Ich heiße Indrani, bin 51 Jahre alt und die Managerin von Diriyalanka.Im Jahr 2005, kurz nach dem Tsunami, wurde mein Mann sehr krank und starb an einem Schlaganfall. So musste ich von heute auf morgen alleine für meine Familie sorgen. Ich habe drei Söhne, wovon einer noch zur Schule geht. Die anderen beiden besuchen inzwischen die Universität. Mit meinem Einkommen sorge ich nicht nur für uns vier, sondern auch für meine ersten beiden Enkelkinder.

K.B. INDRANI Colombo3_01

Wie bist du zu dem Projekt Diriyalanka gekommen?

Ich habe Martina Lenz im Jahr 2005 kennengelernt, als sie hierher kam, um die Menschen nach dem Tsunami ärztlich und psychologisch zu unterstützen. Als Dolmetscherin besuchte ich mit ihr ca. 1500 Familien in Not. Unser Kontakt blieb auch privat bestehen und nachdem Martina den Verein auxilio venire e.V. gegründet hatte, wurden Mikrokredite an betroffene Frauen vergeben. Leider führte diese Form der Unterstützung zu keinem nachhaltigen Erfolg, weshalb sich Martina für einen anderen Weg entschied. Sie wollte Frauen, die arm, misshandelt, missbraucht oder verwitwet waren, eine Ausbildung geben, um ihnen langfristig zu helfen. Also starteten wir mit vier Frauen ein Batik- und Textilgewerbe: Diriyalanka. Heute wissen wir – es war eine gute und fruchtbare Idee.

 

Du bist die Managerin von Diriyalanka. Was bedeutet das für dich persönlich? 

Ich bin sehr stolz darauf, dass hier inzwischen 24 Frauen aus meinem Dorf arbeiten. Es ist unfassbar! Ich bilde die Frauen im Weben, Nähen und Batiken aus. Momentan bin ich dabei, Schulabgänger zu unterrichten, denn ich hoffe, noch viel mehr Menschen Arbeit geben zu können. Meine Aufgabe hier macht mir Spaß und gibt mir finanzielle Sicherheit. Ich danke Martina Lenz und auxilio venire dafür, dass sie uns die Chance auf einen Neuanfang gegeben haben.

K.B. INDRANI Colombo3_02
K.B. INDRANI Colombo3_03

Was ist das Schönste für dich an Diriyalanka?

Diriyalanka ist ein Teil meines Körpers und meiner Seele geworden. Ich habe in den letzten vier Jahren mit dem Projekt viele Hürden genommen und bin nicht nur Managerin, sondern auch Sozialarbeiterin geworden. Ich helfe Behinderten, Armen und Kranken. Es macht mich stolz und glücklich, wie vielen Familien wir mit diesem Projekt helfen können. 


UDAYANGANI UND RASIKA

Udayangani ist 36 Jahre alt und wohnt in Thalaramba. Sie lebt mit ihrer 63jährigen erblindeten Mutter Ragina zusammen. Ihre fünf Brüder sind verheiratet. Vier ältere Brüder leben außerhalb Thalarambas in Kandy, Badulla oder Matara. Ihr jüngerer Bruder lebt mit seiner Frau und seinem Baby bei Udayangani und seiner Mutter. Sie sind gerade dabei, hinter Udayanganis Haus ein eigenes zu bauen.

 

Als Udayangani 6 Jahre alt war, verstarb ihr Vater mit 30 Jahren an einer Herzattacke. Udayanganis Mutter musste fortan sie und ihre fünf Geschwister alleine großziehen. Neben ihrer Tätigkeit als Seilmacherin (Seile aus Kokosnussfasern) wurde sie von ihren Brüder, Udayanganis Onkeln, unterstützt.

 

Udayangani verließ die Schule nach der 11. Klasse mit ihrem bestandenen „O-Level“-Examen. Sie arbeitete danach bei drei verschiedenen Nähereien. Ein Jahr lang arbeitete sie in Kogalla, das mit dem Bus ca. eine halbe Stunde entfernt ist, ein Jahr in Weligama und neun Jahre im nahegelegenen Kamburugamuwa. Sie wurde dabei zur Näherin ausgebildet, und hat Erfahrung im Umgang mit Nähmaschinen.

 

Udayangani hat sich wegen ihrer pflegebedürftigen Mutter entschieden, in der Nähe ihres Zuhauses zu arbeiten. Sie erkrankte 2002 an grauem Star. Mit ihrem Bruder ging sie damals zum Arzt in Colombo, der Arzt bat sie, jeden Monat zur Kontrolle wiederzukommen. Der Bruder, der in der Armee war, konnte aufgrund des Bürgerkrieges nur alle drei Monate nach Hause kommen. Der graue Star war innerhalb der drei Monate zu weit fortgeschritten und man riet von einer Operation ab. Udayangani kümmert sich seitdem um ihre Mutter. Da sie von der Arbeit in der Näherei in Kamburugamuwa erst nachts nach Hause kam, hat sie ihre Arbeit dort aufgegeben und kam zu uns. Von 2009 bis 2011 arbeitete sie zunächst im Batikhaus, dann wechselte sie zu den "Soft Toy Ladies" und stellt seitdem Spielwaren her.

 

Wünsche und Pläne für die Zukunft

Ihren Freund möchte Udayangani zwar nicht in nächster Zeit heiraten, aber für ihre Zukunft könnte sie sich eine eigene Familie durchaus vorstellen. Sie wartet mit ihren eigenen Plänen ab, bis ihr Bruder sein Haus fertig gebaut hat. Sonst wünscht sich Udayangani nichts für sich, sondern hofft, dass unsere Arbeitsstätten erfolgreich werden und wachsen.

UDAYANGANI UND RASIKA Colombo3_01
UDAYANGANI UND RASIKA Colombo3_02
UDAYANGANI UND RASIKA Colombo3_03
UDAYANGANI UND RASIKA Colombo3_04
UDAYANGANI UND RASIKA Colombo3_04

Rasika ist 39 Jahre alt. Sie hat bis zu ihrem 14. Lebensjahr die Schule besucht, sie dann allerdings ohne Abschluss verlassen, um ihren Cousin zu heiraten. Die beiden haben zwei Söhne, den 20jährigen Waranasooriya Patabandige und den 16jährigen Warnasooriya Patabandige Lakshan. Ihre Mutter ist 60 Jahre alt, wohnt ganz in der Nähe und kommt Rasika und ihre Enkel oft besuchen.

 

Rasikas Mann Warnasooriya Patabandige Padmasiri hat als Lastkraftfahrer sehr gut verdient, so dass die Familie sich ihr Land, das Haus und ein eigenes Auto, mit dem Rasikas Mann seine Arbeit verrichten konnte, anschaffen konnte.

 

Der jüngere Sohn Lakshan bekam mit zwei Jahren einen Anfall, durch den er sich nicht normal entwickelte. Während er sehr gut mit Computern und Technik umgehen kann, fällt ihm das Lernen in der Schule schwer. Rasika berichtet, er könne kaum seinen eigenen Namen schreiben. Dass sich Lakshan im Umgang mit der Technik weiterübt, dazu fehlt das Geld.

 

Aufgrund von Lakshans Krankheit hat die Familie viel Geld für Ärzte und Medizin ausgegeben. Sie mussten Schulden machen und haben alles, was sie sich vorher aufgebaut hatten, verloren. Die Raten für das Auto konnten sie nicht mehr bezahlen. Jetzt fährt Warnasooriya das Auto eines anderen. Er hat nicht jeden Tag Arbeit und nur, wenn er lange Strecken fährt, bekommt er Geld. Allein das Haus der Familie ist mit 800.000 Rupien verschuldet. Hinzu kommen noch 1.400.000 Rupien, die die Familie mehreren Privatleuten schuldet.

 

Um ihre Schuldenlast zu verringern, besuchte Rasika mehrere Nähkurse. Im Juli 2011 kam sie zu uns ins Projekt und bat um Arbeit. Die Erfahrung, die sie durch ihre Kurse gewonnen hatte, wollte sie umsetzen und begann mit der Herstellung von Stofftieren. Sie versucht sich auch unter Anleitung an der Nähmaschine. Die drückenden Schulden und die Sorgen um die Söhne und deren Zukunft hat die Familie mutlos gemacht. Rasika sagt aber, wenn sie zu uns zur Arbeit kommt, könne sie all ihre Sorgen für kurze Zeit vergessen.

 

Wünsche und Pläne für die Zukunft

Für die Zukunft wünscht sich Rasika, dass sich ihre finanziellen Probleme lösen. Die Familie könnte das schaffen, wenn ihr Mann wieder ein eigenes Auto fahren könnte. Für ihren älteren Sohn würde sie sich wünschen, dass er zur Universität gehen und studieren kann. Um diesen Wunsch zu erfüllen, fehlen Rasika und ihrer Familie aber die Mittel.